Knirschen und Pressen –

Craniomandibuläre Dysfunktion –

Funktionsstörungen des Kiefers

Was ist eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)?

Eine CMD ist eine Störung im Zusammenspiel von Zähnen, Kiefermuskulatur, Kiefergelenken und Nerven. Durch eine gestörte Balance kommt es zu Problemen verschiedenster Art. Schmerzen im Kiefer- und Gesichtbereich, Kaustörungen, Zahnabrieb, Gelenkknacken, Mundöffnungseinschränkungen, Muskelverspannungen oder Ohrgeräuschen können einzeln oder zusammen auftreten. Dabei werden akute und chronische Funktionsstörungen unterschieden. Die akuten Formen sind einfacher zu behandeln und halten in der Regel nur kurz an. Die chronischen Erkrankungsformen bestehen häufig seit Jahren und sind deutlich anspruchsvoller in der Diagnostik und der Therapie. Dies führt bei vielen chronisch Betroffenen zu einer längeren Leidensgeschichte. Besonders häufig sind Frauen von chronischer CMD betroffen.

Welche Ursachen hat eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)?

In der Regel gibt es nicht DIE EINE Ursache. Meistens kommen viele Faktoren zusammen und trotzdem besteht häufig immer noch Unklarheit darüber, warum manche Menschen eine CMD entwickeln und andere nicht. Zum Beispiel können viele Menschen einen Zahnverlust kompensieren, ohne dass Symptome auftreten. Dagegen haben Menschen mit voller Bezahnung eine CMD.

Trotzdem spielt die Anzahl der Zähne eine Rolle. Größere, unkompensierte Lücken können dazu beitragen, dass sich eine CMD entwickelt. Denn Zähne wandern gerne in vorhandene Lücken hinein und verursachen Veränderung der Bisslage. Daher sollte man abklären, ob eine Zahnlücke unbedingt versorgt werden muss oder nicht.

Psychosozialer Stress ist ein Faktor, der häufig großen Anteil an der Entwicklung einer CMD hat. Auch die hormonelle Situation scheint eine Rolle zu spielen. Dies erklärt auch, warum deutlich mehr Frauen statt Männer an CMD erkranken. Neue Untersuchungen zeigen die Bedeutung von Östrogenen an der Entstehung von Funktionsstörungen.

Knirschen und Pressen (Bruxismus) können sowohl tagsüber als auch nachts auftreten. Besonders starke Knirscher verlieren langfristig einen teil ihrer Zahnsubstanz. Dadurch treten große Veränderung (Bisssenkung) der Kieferrelation auf. Besonders in Kombination mit anderen Ursachen kann Bruxismus die Entstehung von CMD fördern.

Welche Probleme entstehen langfristig bei einer unbehandelten CMD?

Je länger die Probleme anhalten, desto schwieriger wird es die CMD zu heilen. Strukturelle und neuronale Probleme sind schwer zu behandeln, wenn sie sich einmal manifestiert haben. Zum Beispiel kann das Kiefergelenk so stark verschleißen, dass es zu Arthrose oder Rheuma kommt. Diese Veränderungen sind nicht mehr umkehrbar. Häufig kann nur noch symptomatisch behandelt werden. Auch chronische Schmerzen im Bereich des Kiefers, des Nackens oder der Wirbelsäule können auftreten und müssen interdisziplinär mit Orthopäden und Physiotherapeuten behandelt werden.

Wie kann einer CMD vorgebeugt werden ?

Lassen Sie von Ihrem Zahnarzt abklären, ob Zahnlücken unbedingt versorgt werden müssen oder nicht. Denn wenn Zahnwanderungen bereits stattgefunden haben, kann es nicht nur Probleme mit der Zahnersatzversorgung geben, sondern auch Funktionsstörungen zur Folge haben. Es kommt häufig auf die Zahnstelle und die bestehende Verzahnung, ob eine Zahnlücke versorgt werden muss. Größere Zahnlücken sollten nie unversorgt belassen werden.

Grundsätzlich sollten Sie bei Symptomen wie Kiefer- oder Gesichtsschmerzen, Muskelverspannungen der Kiefermuskeln oder schmerzhaftes Gelenkknacken, sowie Mundöffnungsstörungen abklären lassen.

Wie kann eine bestehende CMD behandelt werden?

Das Mittel der Wahl ist eine Aufbiss-Schiene. Sie wird auf eine Zahnreihe eingeklickt und hat verschiedenste Funktionen. Zum einen führt sie bei Knirschern zum Schutz der Zähne und unterbricht die Knirschbewegungen des Kiefers. Weiterhin werden Kiefermuskulatur und Gelenke durch die Schiene massiv entlastet. Viele Betroffene verspüren durch die Schiene eine Erleichterung. Um eine Schiene exakt und passend anzufertigen, muss vorher eine Vermessung des Kiefers und der Bisslage durchgeführt werden. Nur so kann die Schiene die Kiefer in einer muskulär neutralen Position zueinander bringen.

Bei manchen Patienten kann die Anwendung von Physiotherapie im Kopf-Hals-Bereich sinnvoll sein, besonders wenn auch der Nacken und die Wirbelsäule betroffen sind. Dies sollte von einem speziell auf CMD geschulten Physiotherapeuten durchgeführt werden.

Viele Patienten führen mit Hilfe einer Massageanleitung die Massage des Kiefers und der Gelenke selbst durch.In besonders schweren Fällen kann auch die Anwendung von Muskelrelaxanzien notwendig sein, um die schmerzhafte Verkrampfung der Muskulatur zu lösen. Meistens werden viele dieser Therapieformen kombiniert. Dies muss jedoch individuell entschieden werden.